KAPITEL 9 - Betrügereien bei geschlossenen Fonds

Dass Initiatoren Geld verdienen wollen, ist vollkommen legal und in Ordnung. Leider gab es aber schwarze Schafe unter den Initiatoren, die das Geldverdienen zu sehr "optimiert" haben.

Zum einen ist es äußert unschön, wenn z.B. mit Schrottimmobilien und schönen Prospekten ein geschlossener Immobilienfonds aufgelegt wird und Kapitalgeber so Geld verlieren.

Aber es geht noch schlimmer. Das ist der Fall, wenn der Initiator als Geschäftsführer auf der einen Seite die Interessen des Fonds vertritt und auf der anderen Seite seine eigenen Interessen.



Hier ein paar Bespiele

- Ein geschlossener Immobilienfonds wird durch einen Initiator aufgelegt und dieser Fonds erwirbt dann ein Grundstück. Leider gehörte das Grundstück vorher aber dem Initiator bzw. einer Tochtergesellschaft des Initiators. Das Gleiche gilt natürlich auch für andere Wirtschaftsgüter, z.B. bei Leasingfonds.

- Ein geschlossener Immobilienfonds veräußert zum Ende das Anlagevermögen (Grundstück). Hier übernimmt meisten der Geschäftsführer (oftmals der ehemalige Initiator) die Federführung. Leider findet dieser nur einen guten Bieter, nämlich sich selber bzw. eine seiner Tochtergesellschaften. Das gleiche Spiel geht natürlich auch mit Schiffen, Filmen, großen geleasten Wirtschaftsgütern usw. .

- Ein gern genommenes Argument für einen erfolgreichen Immobilienfonds sind Mietgarantien über 5 oder sogar 10 Jahre. Hierzu zahlt der Fonds an eine Gesellschaft einen hohen Betrag und diese Gesellschaft zahlt dem Fonds die Differenz zwischen tatsächlichen Mieteinnahmen und garantierten Mieteinnahmen. Grundsätzlich eine tolle Idee.
Leider wird diese Idee manchmal missbraucht. Hierzu gründet der Fondsinitiator eine kleine GmbH mit 25.000 € Haftkapital. Diese kleine GmbH schließt mit allen Fonds des Initiators einen Vertrag über Mietgarantien. Gleichzeitig zahlt diese kleine GmbH horrende Geschäftsführergehälter. Diese hohen Geschäftsführergehälter führen dazu, dass die GmbH im Schadensfall (Haftung wegen Mietgarantien) noch schneller Pleite geht, als Sie es ohnehin getan hätte.

- Aber auch sonstige Leistungen wie sonstige Serviceleistungen, Treuhandservice, Marketing, pre-opening, Konzeption, Hausverwaltung, Kapitalvermittlungsservice, Darlehenbeschaffungsservice, sonstige Garantien usw. werden oftmals nur durch Tochtergesellschaften des Initiators erledigt und da es keine Konkurrenten gibt, diktieren die Tochtergesellschaften den Preis.

Ein Interessenkonflikt beim Initiator kann schell dazu führen, dass die Gesellschafter einen Schaden erleiden, denn aufgrund des Interessenkonflikts könnte der Fonds die Wirtschaftsgüter zu teuer kaufen bzw. zu billig verkaufen oder Leistungen zu teuer bezahlen.

Ohne gründliche Recherche wird es einem Fondsgesellschafter nicht möglich sein, Firmen- oder Finanzbeziehungen zwischen dem Initiator und dritten Gesellschaften aufzudecken. Und der Initiator wird vermutlich von sich aus nicht darauf hinweisen.

Weiter zu Kapitel 10 - Unwissenheit schützt vor Steuerzahlung nicht